![]() Lange Karriere fürs eigene Wohlbefinden![]() Quelle: Weser Kurier vom 27.12.2011 Dass er erblich vorbelastet ist, lässt sich wirklich nicht behaupten. Weder Vater noch Mutter seien leistungsmäßig geschwommen, versichert Stefan Lemmermann. Trotzdem entwickelte sich der gebürtige Weyher zu einem Top-Athleten im Wasser, der seine Erfolge weit über die Gemeindegrenzen hinaus streute und immer noch streut. Auch mit seinen fast 31 Jahren ist Stefan Lemmermann, der an Silvester Geburtstag feiert, ehrgeizig und erfolgsorientiert. Stefan Lemmermann liebt die kurzen Distanzen, seine Paradedisziplin sind die 50-Meter-Rücken. Nach einem rund dreijährigen sportlichen Durchhänger zeigte die Leistungskurve zuletzt wieder steil nach oben, unter anderem schwamm er nur ganz knapp auf seiner Lieblingsstrecke an der persönlichen Bestmarke vorbei. Trotzdem: So ganz schuldlos war die Mutter an der späteren sportlichen Karriere des Sohnemanns denn doch nicht. "Sie hat auf Grund von Rückenproblemen mit dem Schwimmen begonnen und mich bei dieser Gelegenheit einfach mitgenommen", berichtet dieser schmunzelnd und gesteht: "Eigentlich hatte ich zu Beginn gar keine richtige Lust dazu." Das mit der Lust sollte sich aber alsbald ändern. Bereits mit sechs Jahren trat Stefan Lemmermann jenem Verein bei, bei dem er mittlerweile wieder aktiv ist: dem Weyher SV. Zwischen den Anfängen und dem Hier und Jetzt liegen ziemlich genau 25 Jahre, in denen Stefan Lemmermann, der Sohn des Weyher Bürgermeisters Frank Lemmermann, Erfolg an Erfolg reihte und dabei nicht nur regionale, sondern auch nationale Ausrufezeichen setzte. Seine größte Leistung? Stefan Lemmermann muss einen Moment nachdenken, schließlich gilt es, etliche hochklassige Wettkämpfe und persönliche Triumphe zu filtern. Schließlich fällt ihm seine Weltcup-Teilnahme ein. 2006 war das, in Berlin. "Für Deutschland zu schwimmen, noch dazu gegen Weltklasse-Konkurrenten, das war schon sehr beeindruckend", schwärmt er noch heute. Lemmermann startete damals für die SSG Bremen/Bremerhaven, es war die Zeit, die wohl die trainingsintensivste für ihn war. Damals war er praktisch jeden Tag im Becken des Bremer Unibades zu finden, er versuchte, das Maximale aus seinen Möglichkeiten herauszuholen. Für Stefan Lemmermann, der zwar Leitungs- aber nie Berufssportler war, keine einfache Zeit. Der Aufwand, den der Student der Elektrotechnik betrieb, war enorm. Zwischen sportlichen Verpflichtungen und Examensvorbereitungen blieb praktisch null Freizeit - wie auch? Immerhin: Das Pensum zahlte sich aus. 2006 holte Lemmermann bei den Deutschen Wintermeisterschaften Bronze mit der 4x50-Meter-Freistil- und Silber mit der 4x50-Meter-Lagenstaffel der SSG. Der Erfolg war programmiert. "Wir hatten damals wirklich eine super Truppe zusammen", so Stefan Lemmermann rückblickend. Zu der gehörte unter anderem der spätere Vize-Europameister Hendrik Feldwehr. War 2006 folglich das beste Jahr seiner Karriere? "Ja, das kann man so sagen", bestätigt das Schwimm-Ass, um sogleich einzuschränken: "2005 war aber auch nicht schlecht, immerhin habe ich mich in dem Jahr für den Weltcup qualifiziert." Das vergangene Jahr bleibt aber auch erwähnenswert, so feierte Lemmermann gleich drei Titel bei den Deutschen Meisterschaften der Masters in seiner Altersklasse 30 bis 34. "Das war klasse", betont er, "schließlich fand die DM direkt vor meiner Nase in Bremen statt." Das dortige Unibad kennt er, wie bereits erwähnt, aus dem Effeff und die 25- Meter-Kurzbahn liebt er ohnehin viel mehr als die 50-Meter-Langbahn. "Ich bin einfach mit der Kurzbahn groß geworden", erklärt Lemmermann, "zudem kann ich ganz gut wenden." Das wiederum ist auf der Kurzbahn ein entscheidendes Kriterium. Überhaupt mag Lemmermann die schnellen Sprintrennen - seine Paradedisziplin sind die 50 Meter Rücken, wobei er 2010 seine persönliche Bestzeit von 26,47 Sekunden nur um ganze drei Hundertstel verfehlte. Stefan Lemmermann, der unlängst zu Weyhes Sportler des Jahres gekürt wurde (wir berichteten), kann mittlerweile ganz entspannt auf seine schwimmerischen Aktivitäten blicken: "Das Schwimmen bedeutet mir nach wie vor sehr viel", entgegnet er, "aber es ist mittlerweile zu einer Sache geworden, nach der ich mich einfach nur wohl fühle. Für mein körperliches Befinden ist Schwimmen ganz wichtig." Früher sei dieser Aspekt ein eher untergeordneter gewesen, mittlerweile kombiniert Lemmermann die pure Lust am Sport mit der stetigen Erweiterung seiner Medaillensammlung. Der ganz große Druck ist weg, Stefan Lemmermann muss keinem mehr etwas beweisen. Obwohl: Ein Trophäensammler im worteigenen Sinne ist er ohnehin nie gewesen. Im ganzen Haus, das er zusammen mit Frau und Tochter bewohnt, sind kaum Spuren einer ereignisreichen Laufbahn zu finden. "Die wichtigen Pokale und Medaillen befinden sich im Keller, einige auch im Obergeschoss", klärt der Hausmann auf. Er bewahrt sie gut auf, ohne sie zur Schau zu stellen. Aber es macht ihm sichtlich Spaß, die vergangenen Jahrzehnte noch einmal Revue passieren zu lassen. Er erzählt, dass er erst mit 15, 16 Jahren richtig erfolgreich wurde, diesbezüglich also eher ein Spätzünder war. "Zuvor bin ich auf Kreisebene vielleicht mal Dritter geworden, mehr war da aber nicht." Erst mit 18 folgte der entscheidende Leistungssprung, symbolisiert durch Lemmermanns erste Medaille auf Landesebene. Danach ging es stetig bergauf. Nur: Der absolute nationale Topbereich in Einzelrennen blieb unerreichbar. Für Stefan Lemmermann kein Grund zu klagen, die Frage nach dem Warum beantwortet sich für ihn von selbst. "Um noch erfolgreicher zu sein, hätte ich noch professioneller arbeiten müssen, damals war der Zug jedenfalls schon abgefahren. Die nötigen Grundlagen für die absolute Spitze waren nicht gelegt." Trotzdem ist er mit seinem Werdegang im Reinen. "Wer weiß, ob ich ansonsten jetzt noch dabei wäre?", fragt sich Lemmermann, der mittlerweile in seiner Altersklasse das ist, was er zuvor nicht ganz war: nationale Spitze. Und das, obwohl er ab 2007 andere Prioritäten setzte: Hausbau, Familie und Beruf stehen seitdem ganz klar im Vordergrund. "Zwischen 2007 und 2010 bin ich dann auch in ein schwimmerisches Loch gefallen", gesteht Lemmermann. Erfolge für den mittlerweile zum Weyher SV zurückgekehrten Athleten stellten sich in dieser Zeit kaum ein. Vergangenheit. Aktuell befindet sich der studierte Elektrotechniker wieder auf der schwimmerischen Überholspur, der die Lockerheit eines Routiniers mit dem ungezügelten Ehrgeiz eines Leistungssportlers perfekt bündelt. Darüber hinaus gibt er seine Erfahrung als Trainer an den Weyher Nachwuchs weiter. Und an den eigenen Nachwuchs? Tochter Hanna, die in kürze vier Jahre alt wird, soll darüber selber entscheiden. "Wir werden bestimmt keinen Druck aufbauen", verspricht Lemmermann. "Wenn sie Lust hat zu schwimmen, wäre das natürlich schön, wenn nicht, ist es auch okay." Familiär völlig unbelastet an eine Sache heranzugehen, hat sich schließlich auch beim Papa eindrucksvoll ausgezahlt . . . |